"Meines Erachtens ist ein interdisziplinärer Ansatz der Kern der Fördertätigkeit von Innosuisse"

Bettina Ernst

Dr. Bettina Ernst, Vizepräsidentin des Innovationsrats von Innosuisse, erklärt, weshalb die Schweiz ihres Erachtens gut aufgestellt ist, um bei der Entwicklung der Biotechnologie eine führende Rolle zu spielen.

Die Schweiz gehört zu den innovativsten Ländern in der Biotechnologie, ist in vielen Bereichen tonangebend und zieht Kapital und Forschende aus der ganzen Welt an. Als Wissenschaftlerin kennt Dr. Bettina Ernst dieses Ökosystem. Darüber hinaus besitzt sie umfangreiche Erfahrung in der immunologischen Grundlagenforschung in Europa und den USA sowie im Schweizer Biotech- und Pharmasektor. Sie leitet ihr eigenes Unternehmen – Preclin Biosystems AG –, das auf die Validierung von Arzneimitteln spezialisiert ist sowie Forschung und Entwicklung in der Wissenschaft fördert.

Innosuisse: Die Schweiz ist in Europa eine wichtige und innovative Akteurin im Biotechnologiesektor. Weshalb hat sie diese Führungsposition inne?

Dr. Bettina Ernst: Aus verschiedenen Gründen. Die Schweiz hat ausgezeichnete technische Hochschulen, etwa die Eidgenössischen Technischen Hochschulen in Zürich und Lausanne. Die Universitäten und Universitätsspitäler in Zürich, Basel, Bern, Lausanne und Genf erfreuen sich ebenfalls eines ausgezeichneten Rufs.

Auch die grossen Pharmaunternehmen wie Roche und Novartis tragen zur herausragenden Stellung der Schweiz bei. Zur Überbrückung der Kluft zwischen Innovation und Markt braucht es ein Ökosystem mit wissenschaftlicher Expertise, Know-how und Technologietransfer sowie die Erfahrung hochqualifizierter Spezialistinnen und Spezialisten, die seit Jahrzehnten in der Biotechnologie tätig sind und verstehen, wie der Sektor funktioniert.

Die Schweiz ermöglicht es auch den Expertinnen und Experten, die hier arbeiten, dank dem ausgezeichneten Bahnnetz schnell andere Fachpersonen zu treffen. Eine Besprechung ist oft nur eine Zugstunde entfernt – ein wichtiger Vorteil. Aufgrund dieser Faktoren ist das kleine Land ein wichtiger Standort für die Entwicklung biotechnologischer Lösungen.

Welche Rolle spielt Innosuisse bei der Förderung von Innovation in der Schweiz?

Die Rolle von Innosuisse besteht darin, wissenschaftsbasierte Innovationen im Interesse der Wirtschaft und Gesellschaft in der Schweiz zu fördern. Insbesondere unterstützt sie die Partnerschaft zwischen der Wissenschaft und der Wirtschaft mit Innovationsprojekten, Vernetzung, Training und Coaching. Es dauerte eine Weile, bis sich alle an das neue System gewöhnt hatten, das durch die Gründung von Innosuisse im Jahr 2018 entstanden ist.

Diese Bemühungen haben sich meiner Ansicht nach ausgezahlt, da wir jeden Monat viele Innovationsgesuche erhalten. Innosuisse fördert qualitativ hochwertige, aber oft noch junge und risikoreiche Projekte und stellt damit einen sehr wichtigen Unterstützungsmechanismus in der Schweiz dar.

Wer kann von der Förderung durch Innosuisse profitieren?

Die Wissenschaft und die Innovationsgemeinschaft, aber auch die Gesellschaft als Ganzes. Vor allem die Gesellschaft kommt letztendlich in den Genuss der von uns unterstützten Projekten. Genauer gesagt profitiert die Bevölkerung von hohen technologischen und wissenschaftlichen Standards, wenn Innosuisse schweizerische Start-ups und KMU bei ihrer Entwicklung und ihrem Wachstum unterstützt.

Wie unterscheiden sich die Förderinstrumente von Innosuisse von anderen Finanzierungssystemen auf dem Schweizer Markt?

Der Schweizerische Nationalfonds (SFN) zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung unterstützt zum Beispiel nur Forschungsaktivitäten an Hochschulen. Innosuisse erfüllt eine andere Aufgabe. Ihr Ziel ist es, wissenschaftsbasierte Innovationen zu fördern, die langfristig Wert für die Gesellschaft schaffen.

Können interdisziplinäre Projekte bei Innosuisse eingereicht werden?

In jedem Projekt gibt es mindestens zwei Partner (Forschungsinstitution und Umsetzungspartner aus der Wirtschaft), deren Kompetenzen und Know-how sich ergänzen. Selbst wenn es sich um einen sehr spezifischen Bereich handelt, setzt eine erfolgreiche Projektumsetzung voraus, dass an verschiedenen Aspekten und Zielen gearbeitet wird, die es miteinander zu kombinieren gilt. Meines Erachtens ist ein interdisziplinärer Ansatz der Kern der Fördertätigkeit von Innosuisse.

Wie würden Sie die Rolle von Innosuisse bei der Gründung und Entwicklung von Biotech-Start-ups beschreiben?

Heute werden diesen Unternehmen gezielte Coachings (beispielsweise Vorstellung ihrer Projekte bei Investoren, Finanzierung, Regulierung, geistiges Eigentum usw.), aber auch allgemeinere Start-up-Coaching-Programme angeboten, die eine echte Chance für sie darstellen. Darüber hinaus hilft Innosuisse diesen Firmen, Innovationsprojekte in Zusammenarbeit mit Hochschulen und Universitäten voranzutreiben.

Gleichzeitig sind auch weitere, hauptsächlich privat finanzierte Initiativen wie Venture Lab, Venture Kick, Venture Leader und der Venture «Wettbewerb» für das Schweizer Start-up-Ökosystem wesentlich. All diese Massnahmen unterstützen junge Unternehmen und ermöglichen ihnen, Fortschritte zu machen und die einzelnen Entwicklungsphasen erfolgreich zu meistern.

Im Jahr 2019 hat sich die Zahl der erfolgreichen Gesuche für Innovationsprojekte in der Biotechnologie im Vergleich zu 2018 verdoppelt. Das ist doch erfreulich.*

Ja, die Zahlen sind sehr ermutigend. Am wichtigsten ist jedoch, dass die Qualität stimmt und die verschiedenen Projektpartner erfolgreich zusammenarbeiten. Ich sehe die zukünftige Entwicklung der Innovation im Biotech-Sektor in der Schweiz sehr positiv.

Welche Rolle spielt Innovation bei COVID-19?

Derzeit passiert Unglaubliches. Diese Krise bietet uns nicht nur eine Gelegenheit für Innovation, sondern verpflichtet uns geradezu zur Innovation. Die Fortschritte in der Medizin – von vielversprechenden klinischen Versuchen, einen Impfstoff zu finden, bis hin zur Diagnosestellung in Rekordzeit – sind beeindruckend. Möglich wurden sie nur durch gezielte Investitionen in Technologie, Know-how und viele andere Aspekte der Forschung. Alle Wirtschaftszweige und die Gesellschaft müssen die Innovation fördern. Die Entwicklung von Impfstoffen oder Medikamenten setzt voraus, dass wir auch auf digitaler Ebene Neuerungen einführen, ob in Bezug auf künstliche Intelligenz, Datenspeicherung oder Materialqualität. Heute besitzen wir die nötigen Instrumente, um dieses Virus zu bekämpfen. Die Suche nach einem Impfstoff ist auf dem richtigen Weg. Ich bin zuversichtlich, dass wir bald eine Therapie finden.

Welche Rolle kann die Schweiz, insbesondere die Pharma-Branche, bei der Reaktion auf COVID-19 spielen?

Die Schweiz ist vor allem auf Produkte mit hoher Wertschöpfung spezialisiert. Sie steht damit an der Spitze der Innovation, insbesondere in der pharmazeutischen Entwicklung. Eine der wichtigsten Testungen für die Krankheit ist übrigens der Firma Roche mit Sitz in Basel zu verdanken. In der Schweiz werden zahlreiche vielversprechender Projekte in den Bereichen Impfstoffe, Therapien und Diagnostik entwickelt.  

* Im Jahr 2019 wurden 161 Unterstützungsgesuche für Innovationsprojekte eingereicht, davon wurden 100 Projekte genehmig. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 wurden 87 Gesuche eingereicht, wovon 43 durch Innosuisse unterstützt wurden.

Letzte Änderung 22.06.2020

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