Das Flugzeug in der Sohle

Die Schweizer Laufschuhmarke On hat zusammen mit der Fachhochschule Nordwestschweiz eine Art Carbonfeder für Laufschuhe entwickelt, die nachhaltig und kostengünstig produzierbar ist. Als Ausgangsmaterial werden Abfälle aus der Luftfahrtindustrie verwendet.

Das Speedboard ist ein essenzieller Bestandteil des Laufschuhs: Die faserverstärkte Platte sitzt in der Sohle und unterstützt die Sportlerin, den Sportler beim Abstossen: Das Speedboard fängt die Stossenergie auf, hält sie einen Moment wie eine aufgespannte Feder fest und gibt sie ab, sobald sich der Schuh vom Boden löst.

«Das Speedboard macht die Sohle reaktiver und effizienter», erklärt Nils Altrogge, Leiter der Abteilung Innovation Technology bei On. Für Profisportlerinnen und -sportler brauche man extrem steife Boards, die aus Carbon hergestellt werden. «Nur damit erreicht man die wichtige Mixtur aus Leichtgewicht und Funktion.» Doch Carbon ist nicht nachhaltig, schwierig zu entsorgen und die Fertigung mit dem Material ist sehr aufwendig. «Weltweit wurde schon genug Carbon produziert – warum also nicht einfach eine Faser verwenden, die bereits einmal gebraucht wurde?»

Zweites Leben für Carbonfasern

Zusammen mit dem Institut für Kunststofftechnik der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW forschten die Laufschuhspezialisten nach nachhaltigen und kostengünstigen Alternativen für die Herstellung ihrer Speedboards. Die Idee, Carbonfasern ein zweites Leben in einem High-Tech-Produkt zu ermöglichen, wurde bei Innosuisse geprüft und sie unterstützte das Projekt.

Als Ausgangsmaterial für die «Ultimate Speedboards» – so der Name des Projekts – dienen Fasern aus Carbonabfällen, die bei der Produktion von Bauteilen für die Luftfahrt- und Automobilindustrie anfallen. Die FHNW übernahm die Entwicklung des Materials und des Prozesses, On entwickelte das Design und die Funktion des nachhaltigen Laufschuhs. Das Verfahren, das während der Projektdauer von zweieinhalb Jahren entwickelt wurde, ist nachhaltig und könnte in Zukunft für die serielle Herstellung geeignet sein.

Wichtiger Blick von aussen

Das Unternehmen On, das 2010 als kleines Start-up in Zürich begann und weltweit inzwischen über 1000 Mitarbeitende zählt, hat bereits mehrere Projekte mit der Unterstützung durch Innosuisse umgesetzt. Diese Verbindung mit der Schweizer Forschung sei für sie sehr wichtig, sagt Nils Altrogge. «Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist es möglich, grosse Innovationen vorwärts zu treiben.» Trotz der Grösse, die die Firma inzwischen hätte, können sie nicht alles selber machen – zudem sei man als Unternehmen auf die Gerätschaften und das spezifische Ingenieurswissen der Hochschulen angewiesen.

Es sei wichtig, Entwicklungen schnell voranzutreiben: «Der Markt wächst schnell. Und On ist im internationalen Markt immer noch eine kleine Marke – wie David gegen Goliath. Solche Projekte würden nicht zustande kommen, wenn wir sie alleine umsetzen müssten. Wir müssen schauen, dass das tägliche Geschäft am Laufen bleibt.»

Wichtig sei bei solchen Projekten auch immer der Blick von aussen. «Wir beschäftigen uns tagtäglich mit Schuhen. Manchmal sieht man vor lauter Wald die Bäume nicht. Ingenieure aus einem anderen Fachgebiet haben einen anderen Blick, der für die Entwicklung im Bereich Innovation sehr hilfreich sein kann.» Aus dem Projekt sei ein Patent entstanden, freut sich Nils Altrogge.

Forschen am dritten Leben

Offiziell ist das Projekt abgeschlossen, doch die Forschung geht weiter: Denn auch der Laufschuh soll nicht die letzte Station der Carbonfaser sein: So soll auch das nachhaltige Speedboard später wiederverwendet werden – indem seine Fasern wieder herausgelöst und in anderen Verfahren wie zum Beispiel dem Spritzguss verwendet werden.

Letzte Änderung 04.02.2022

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