Blutdruckmessung per Smartphone

Die Interviews und Aufnahmen aus dem Operationssaal wurden gefilmt von Innosuisse/visum-design – alle übrigen Filmaufnahmen stammen von Innovaud/planfilm

Blutdruckmessungen vereinfachen und noch genauer machen: So lautet das Ziel von Biospectal, einem 2017 gegründeten Start-up aus dem Kanton Waadt, das dem Bluthochdruck weltweit den Kampf angesagt hat. Wie? Ganz einfach mit der Kamera des Smartphones. Innosuisse, die Schweizerische Agentur für Innovationsförderung, unterstützt die Entwicklung dieses Projekts auf internationaler Ebene. 

«Während einer Anästhesie überwachen wir die Vitalfunktionen eines Patienten wie Herzfrequenz oder Blutdruck. Für Letzteren verwenden wir eine Oberarmmanschette, die 1905 erfunden wurde und noch heute eingesetzt wird», erklärt Dr. Patrick Schoettker, Berater von Biospectal und Chefarzt in der Anästhesieabteilung des Universitätsspitals Lausanne (CHUV). «Bluthochdruck ist eine der tödlichsten Krankheiten, daher brauchen wir eine neue technologische Lösung, die einfacher und benutzerfreundlicher ist», sagt der Facharzt. Laut der medizinischen Zeitschrift The Lancet litt 2008 mehr als ein Viertel der erwachsenen Weltbevölkerung an Bluthochdruck – das heisst 972 Millionen Menschen, davon 333 Millionen in Industrieländern und 639 Millionen in Entwicklungsländern. Bis 2025 dürfte die Zahl der erwachsenen Bluthochdruckpatienten um 60 % auf insgesamt 1,56 Milliarden steigen.

Diese Prognose führte zu einer engen Zusammenarbeit mit dem Centre Suisse d'Electronique et de Microtechnique (CSEM). Die Plattform von Biospectal beruht auf mehr als zehn Jahren Forschung und Entwicklung im Technologieforschungszentrum sowie weiteren fünf Jahren für die klinische Validierung, insbesondere am CHUV. Aus der erfolgreichen Partnerschaft ging die mobile Anwendung OptiBP hervor, die sich auf die optische Analyse der Anzahl Pulsschläge am Finger einer Person stützt. «Man muss nur seinen Finger auf die Kamera des Smartphones legen und schon werden die Herzschläge gemessen», erklärt Patrick Schoettker.

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Im vergangenen Jahr wurden mit Unterstützung von Innosuisse neue medizinische Studien durchgeführt. Damit jedes Smartphone in ein Blutdruckmessgerät verwandelt werden kann, müssen die Messungen wissenschaftlich validiert sein. Die entsprechenden klinischen Studien werden sowohl im Operationssaal als auch in Zusammenarbeit mit einer Nichtregierungsorganisation durchgeführt. «Um unsere Datenbank mit Daten zu füllen, müssen wir eine Vielzahl von Informationen zu verschiedenen Patientenkategorien sammeln, etwa Schwangere oder auch Menschen unterschiedlicher Herkunft. Da wir uns auf Menschen mit Bluthochdruck konzentrieren, arbeiten wir mit der Hypertonie-Abteilung des CHUV zusammen. In einer zweiten Phase sollen die zusätzlichen Studien es uns ermöglichen, die Ergebnisse auf die übrige Welt auszudehnen», fügt der Chefarzt hinzu. «Wir überprüfen die Messungen unter Narkose, da der Blutdruck in dieser Situation stark schwankt.»

Die App ist für alle Smartphones geeignet. «Wir testen mit dem Samsung S7, um die Anwendung überall zugänglich zu machen, insbesondere in ärmeren Ländern. Alle gängigen Mobiltelefone sind heute leistungsfähig genug, um die Blutdruckmessungen durchzuführen», erklärt Alia Lemkaddem, Ingenieurin am CSEM und Projektleiterin. «Künftig wird das Smartphone sogar in der Lage sein, die gesammelten Daten zu analysieren und den Patienten über das Ergebnis zu informieren», so Dr. Patrick Schoettker. Eine revolutionäre Technik, die ein legitimes Ziel verfolgt. «Unser Projekt ermöglicht es den Kranken, ihre Krankheit individuell zu kontrollieren und eine der höchsten Barrieren, die derzeit bestehen, nämlich den Zugang zu Messgeräten, zu umgehen.»

Die Messungen werden fortgesetzt und die Förderung durch Innosuisse ist willkommen. «Dank dieser Unterstützung können sich mehrere Ingenieure ganz auf dieses Projekt konzentrieren. So kommen wir sehr schnell voran», erklärt Dr. Patrick Schoettker. Innosuisse wird es dem Start-up ermöglichen, zu wachsen und noch produktiver zu werden, damit der Gesellschaft und insbesondere Menschen mit Bluthochdruck geholfen werden kann. «Wir arbeiten derzeit in mehreren Regionen und kooperieren mit grossen NGOs, um unsere Technologie weltweit zugänglich zu machen», ergänzt Eliott Jones, CEO von Biospectal. «Ohne Innosuisse wäre das nicht möglich gewesen.»

Text: Johanne Stettler

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Letzte Änderung 17.09.2019

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Eliott Jones, Biospectal, Alia Lemkaddem, CSEM, und Patrick Schoettker, CHUV.

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