Mit der «Bern Aphasia App» das Leben der Patienten mit Aphasie erleichtern

Diese App stellt die Kommunikationsfähigkeit wieder her. Seit 2015 entwickeln die Abteilung für Neurologie des Universitätsspitals Bern Inselspital, die Klinik für Neurologie und Neurorehabilitation des Luzerner Kantonsspitals und das ARTORG Center for Biomedical Engineering Research eine mobile Plattform zur Behandlung von Aphasie. Die «Bern Aphasia App» ist der Zusammenarbeit eines fachübergreifenden Teams aus Logopäden, Neurologen, Psychologen und Ingenieuren zu verdanken. Ein dieses Jahr lanciertes Projekt von Innosuisse soll die Markteinführung der App bis 2022 ermöglichen.

Aphasie ist eine Sprachstörung, die zur einer Einschränkung der Kommunikationsfähigkeit führt. Die zugrunde liegende Hirnverletzungen können verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten ist es eine plötzlich auftretende zerebrovaskuläre Erkrankung, auch Schlaganfall genannt. Die Kommunikationsstörung betrifft verschiedene Funktionen, etwa das Verständnis, den verbalen Ausdruck oder Lesen und Schreiben und hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab. Jedes Jahr erleiden rund 15'000 Patienten in der Schweiz einen Schlaganfall, ca. 30% davon entwickeln eine Aphasie. Die «Bern Aphasia App» ermöglicht es den Patienten, allein Übungen zu machen, um die einzelnen Funktionen wiederherzustellen. «Heute werden die Patienten zum Logopäden geschickt, um die Grundsätze der Sprache wieder zu erlernen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mindestens drei Sitzungen pro Woche. Diese Behandlung ist teuer. Zudem haben Menschen in abgelegenen Gebieten nicht immer Zugang zu diesen Behandlungsformen», erklärte PD Dr. Prabitha Urwyler, Senior Researcher und Leiterin des Projekts von Innosuisse.

Mit der App können Patienten die Übungen autonom durchführen. Die Therapeuten sind in der Lage, auf die Ergebnisse zuzugreifen und die Art der Übungen sowie den Schweregrad entsprechend auszuwählen. «Die Behandlung startet mit der Hilfe eines Therapeuten, der auf der Grundlage des Niveaus des Patienten bei der ersten Sitzung die Ziele setzt. Dann wird die Behandlung an die Ergebnisse des Patienten angepasst, die dem Logopäden direkt übermittelt werden», bemerkte Prabitha Urwyler. «Unsere App ermöglicht es den Patienten, die Übungen zu Hause zu machen, und den Therapeuten, die Übungen auf den Fortschritt der einzelnen Patienten masszuschneidern.»

Der Prototyp umfasst derzeit mehr als 30'000 Übungen. Ein von Innosuisse gefördertes Projekt, das Anfang 2019 lanciert wurde, soll die App am Markt einführen und sie im AppStore verfügbar machen. Der Umsetzungspartner für die Bern Aphasia App, die in Basel (Reinach) stationierte Definition12 AG, ist spezialisiert auf die Erstellung von mobilen Anwendungen für die Life/Sciences Industrie und die Finanzindustrie. Die Definition12 AG plant die Anwendung in 200 bis 400 Spitälern in der Schweiz, Deutschland und Frankreich einzusetzen Beat Gersbach, Geschäftsführer, schmiedet sogar noch ehrgeizigere Pläne: «Wir wollen uns mit dieser App als Marktführer profilieren und sie später weltweit vermarkten. Zusätzlich werden wir unsere Algorithmen weiterhin mit Komponenten aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz verbessern.»

Diese Ambition wäre ohne Innosuisse nicht möglich. «Die Entwicklung einer zukunftsweisenden medizinischen App setzt hochqualifizierte Ingenieure und Forscher voraus. Dank Innosuisse erhalten wir ein wissenschaftlich validiertes Endprodukt, ohne selbst die Entwicklungskosten des Projekts übernehmen zu müssen», erklärte Beat Gersbach.

Text: Johanne Stettler

Letzte Änderung 22.08.2019

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Beat Gersbach, CEO Definition 12 AG und Prabitha Urwyler, Senior Researcher @ARTORG.

https://www.innosuisse.ch/content/inno/de/home/resultateundwirkung/Projektbeispiele/innovationsprojekte/bern-aphasia-app.html