Spracherkennung für die in der Schweiz gesprochenen Sprachen

Das Walliser Start-up recapp IT hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Transkription der in der Schweiz gesprochenen Sprachen, insbesondere Schweizerdeutsch, zu ermöglichen. Zu diesem Zweck hat es ein Spracherkennungssystem entwickelt, das Gespräche in Text umwandelt. Innosuisse unterstützt das Start-up auf verschiedenen Ebenen, insbesondere bei der Vermarktung seiner Produkte.  

Lange Besprechungen handschriftlich zu protokollieren ist oft anstrengend. Doch dank neuer Technologien kann dieser Prozess nun vollständig automatisiert werden. In der Schweiz widmet sich das Start-up-Unternehmen recapp IT AG seit einigen Jahren diesem Thema und hat ein Spracherkennungstool entwickelt, das alle schweizerdeutschen Dialekte transkribieren kann!

Die recapp IT AG entstand aus der Frustration, die David Imseng bei seinen Arbeiten zur Spracherkennung am Forschungsinstitut Idiap in Martigny empfand. «Damals war ich in der Welt der Forschung gefangen. Ich veröffentliche nur mehr Berichte und entwickelte Modelle, die niemals umgesetzt wurden.» 2013 baute der junge Ingenieur «zum Spass» das erste System, das in der Lage war, den walliserdeutschen Dialekt zu transkribieren. Dieser gilt als besonders schwer zu verstehen. «Damals gab es noch kein System, das die verschiedenen Schweizer Dialekte entziffern konnte, weshalb Handlungsbedarf bestand», so David Imseng.

Die ersten Versuche waren erfolgreich und 2014 gründet er gemeinsam mit seiner Frau Erika recapp IT. Heute hat das Unternehmen mit Sitz in Visp im Wallis seine Technologie weiterentwickelt und zählt viele Kantonsparlamente, Medien, Studenten und Privatpersonen zu seinen Kunden. Das System ist dank künstlicher Intelligenz in der Lage, die vier Landessprachen sowie Englisch zu erkennen und die verschiedenen alemannischen Mundarten zu unterscheiden.

Verschiedene Funktionen
Eine Sprachaufzeichnung einer Sitzung oder eines Interviews genügt, damit die von recapp IT entwickelte Software die Gespräche transkribieren kann. Zudem werden die einzelnen Worte klar segmentiert und der Text automatisch mit der richtigen Interpunktion und Formatierung versehen. Des Weiteren kann das Tool für die Stichwortsuche oder zur Indizierung von Audio- oder Videoarchiven verwendet werden.

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Innosuisse als Katalysator
Der CEO hält die Förderung durch Innosuisse für «sehr wichtig». Diese erfolgt auf mehreren Ebenen. Um seine Technologie weiter zu verbessern, führt das Start-up derzeit ein Innovationsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Idiap durch. «Dieses Projekt ermöglicht die Finanzierung unserer Forschungsarbeiten, die ohne die Hilfe von Innosuisse nicht möglich wären. Gleichzeitig wird recapp IT im Rahmen des Start-up-Coaching-Programms von einem spezialisierten Coach begleitet. «Dank der personalisierten Betreuung vermeiden wir viele Fehler, die andere Start-ups am Anfang machen. Und durch den Erhalt des Innosuisse-Zertifikats haben wir auch bei Investoren an Glaubwürdigkeit gewonnen.»

Noch weiter
Die Spracherkennung stützt sich auf maschinelles Lernen, etwa neuronale Netze, um zu lernen, wie Sprache aufgebaut ist. «Das System muss sich aneignen, wie die Laute, aus denen unsere Wörter bestehen, gebildet werden und wie die Sprache strukturiert ist. Um der Maschine diese beiden Merkmale beizubringen, muss man sie mit Daten speisen. Sie muss also aus Beispielen lernen. Dann kann sie feststellen, dass ein Wort in einem bestimmten Kontext häufiger vorkommt als ein anderes. Das lernt sie, weil sie es mehrmals ‹sieht›», erklärt die Computerlinguistin Virginie Holm.

Der Fachspezialistin zufolge stehen wir erst am Anfang der Entwicklung der Spracherkennung. Ihrer Meinung nach bietet diese Technik noch ein hohes unausgeschöpftes Potenzial. «Ich denke, dass die Spracherkennung nur ein Schritt zum Verständnis der Sprache selbst ist. Maschinen werden eines Tages in der Lage sein müssen, Worte nicht nur zu transkribieren, sondern auch ihre Bedeutung zu verstehen und die ihnen innewohnende Botschaft zu vermitteln. Auf diesem Gebiet gibt es noch eine Menge zu tun.» Das bedeutet, dass recapp IT in den kommenden Jahren noch viel Arbeit hat.  

Letzte Änderung 19.01.2021

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Virginie Holm, computerlinguistin und David Imseng CEO bei recapp IT.  

https://www.innosuisse.ch/content/inno/de/home/beispiele-geschaeftsinformationen/Projektbeispiele/start-up/recapp.html