«Erfolg ist das Resultat umsichtig geplanter kleiner Schritte.»

Dr. Dimitrios Terzis, Mitbegründer des EPFL-Start-ups MeduSoil, hat es sich zum Ziel gesetzt, einen ökologischen Biobeton auf den Markt zu bringen. MeduSoil entwickelt und vermarktet die weltweit ersten auf Kohlenstoff basierenden Biomineralisationstechnologien, die zur Stabilisierung des Untergrunds beitragen können. Mit der Technologie soll Erd- in Felsboden verwandelt werden, um Infrastrukturrisiken, die sich aus Bodenerosion, Erdrutschen oder dem ansteigenden Meeresspiegel ergeben, zu verringern und in den weltweit gefährdeten Gebieten die Schadenbelastung durch extreme Wetterereignisse und Erdbeben zu mindern. Er, dessen Ziel es ist, «mit einer Idee buchstäblich einen Grundstein zu legen», erklärt, wie diese Innovation zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell führen kann.

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© Zuzanna Adamczewska-Bolle

Welche Idee steckt hinter MeduSoil?

MeduSoil wurde im April 2018 als Spin-off der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) gegründet. Gründung und Aufbau des Unternehmens wurden vom dringenden Bedürfnis für nachhaltige Lösungen zur Bodenstabilisierung getrieben. Ich bin, wie mein Mitbegründer, Prof. Lyesse Laloui, der Auffassung, dass die von uns entwickelte Technologie eine Branche aufrütteln wird, die punkto Innovationen seit Jahrzehnten in einem Dornröschenschlaf liegt. Die Entwicklung von Lösungen, die technische Innovation, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz vereinen, war die Hauptmotivation für die Gründung dieses Unternehmens. Und wir werden alles dafür tun, um MeduSoil in unserem Zielmarkt zum Durchbruch zu verhelfen. Seit der Gründung stösst unser Start-up auf überwältigende Resonanz bei Baustoffhändlern, Ingenieurbüros, Bauunternehmern und Behörden, die mit uns zusammenarbeiten, um reale Bau- und Umweltanwendungen zu liefern – eine optimale Basis für weiteres Wachstum unseres Geschäfts.

Wie hat es MeduSoil geschafft, so weit zu kommen?

MeduSoil konnte sich in den letzten beiden Jahren dank aktiver Beiträge von mehr als zehn Mitarbeitenden prächtig entwickeln. Am Anfang stand die Forschungstätigkeit an der EPFL, gefolgt von einer Periode mit zielgerichteter Entwicklung von geistigem Eigentum. Mit einem erfahrenen F+E-Team aus Bau-, Umwelt- und Chemieingenieuren sowie Projektmanagern mit profundem Verständnis unseres Zielmarktes will MeduSoil hochgesteckte Ziele erreichen und unsere Branche wachrütteln. Wir sind überzeugt, dass Innovation ein komplexes Bestreben ist, an dem das ganze Unternehmen Schritt für Schritt arbeiten muss. Erfolg ist das Resultat umsichtig geplanter kleiner Schritte. Wenn wir auf die bisherige Entwicklung von MeduSoil zurückblicken, glauben wir, dass unsere jüngsten Erfolge die Grundlage für eine erfolgreiche internationale Expansion unserer Aktivitäten bilden. Das ist derzeit unsere grösste Herausforderung und Chance zugleich. Das ganze Team arbeitet mit Leidenschaft daran, diese Erfolgsgeschichte fortzusetzen.

Was ist Ihrer Meinung nach notwendig, um ein Unternehmen zum Erfolg zu führen?

Wenn ein Start-up wie unseres eine Chance haben will, in einem extrem wettbewerbsintensiven und fragmentierten globalen Markt zu bestehen, muss es klar definieren, was es von der Konkurrenz unterscheidet, und dies seinen Partnern überzeugend vermitteln. Es reicht nicht aus, über eine vielversprechende Technologie und smarte Marketingstrategien zu verfügen, um die Kunden zu beeindrucken – es geht vielmehr darum, echten, greifbaren Wert und Erfahrungen zu schaffen, die eine erhebliche Verbesserung zur bestehenden Praxis bedeuten. Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen wir die geeigneten Talente zu uns holen, die eine starke Marke aufbauen, ohne die aktuellen Trends zu verpassen. Unser Rückgrat ist unser agiles Team, das unsere Vision teilt, und – in meinen Augen – so unsere Erfolgsaussichten vergrössert.

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© Zuzanna Adamczewska-Bolle

Welche Hindernisse gibt es bei der Umsetzung neuer Geschäftsmodelle und wie können diese überwunden werden?

Ich würde sagen, dass es einer gewissen Unabhängigkeit bedarf, die unserem mit der Entwicklung und Umsetzung der Roadmap betrauten Team denn auch gewährt wird. Denn diese Mitarbeitenden sind es, die im Rahmen der Strategieumsetzung mögliche Hindernisse, aber auch Wege zu deren Beseitigung identifizieren. Indem wir mit unserem Leistungsversprechen den Status quo in Frage stellen wollen, ist von der Planung bis zur Ausführung bzw. Markteinführung ein praktisches Verständnis der gesamten dazwischenliegenden Prozesskette sowie der direkte Kontakt zu allen Beteiligten ein absolutes Muss. Wer seinen Mitarbeitenden an der Kundenfront die notwendige Unabhängigkeit gewährt, um Lösungen vorzuschlagen, anzupassen und passgenau zuzuschneiden, dessen Geschäftsmodell wird auch ein beständiges Leistungsversprechen garantieren können. Und genau da wollen wir hin.

Sie haben jüngst beschlossen, sich für das Coaching-Programm* von Innosuisse, der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung, anzumelden. Warum?

Ein eigenes Unternehmen zu führen, spricht Menschen aus den verschiedensten Gründen an. Nicht nur macht man seine Passion zum Beruf, man ist sein eigener Chef, arbeitet mit fantastischen Menschen zusammen und bestimmt die eigene Zeitplanung. Voraussetzung ist aber auch, dass man mit anderen Leuten spricht und von ihnen lernt, sonst wird es nicht funktionieren. Innosuisse hatte die genau richtigen Leute fürs Coaching und stellt ein Ökosystem bereit, das Unternehmer unterstützt sowie ein Netzwerk zur Förderung von Zusammenarbeit und der Internationalisierung Schweizer Spitzenleistungen umfasst. Einmal hat mir jemand gesagt: «Dort, wo Sie jetzt stehen, stand auch ich damals. Und dort, wo ich jetzt stehe, werden Sie schon bald stehen.» Mit anderen Worten: Wir müssen diesen Weg gemeinsam gehen und dabei Herausforderungen und Gefahren trotzen und sich bietende Chancen ergreifen. Nur so lässt sich ein schweizerisches Unternehmen mit internationaler Ausstrahlung aufbauen. Innosuisse verkörpert diesen Geist sehr zukunftsgerichtet, indem sie eine Gemeinschaft von Erfindern, Unternehmern, Coaches und Institutionen schafft, die alle das Beste aus dem Potenzial und den Talenten der Schweiz herausholen wollen.

Ab welchem Punkt kann eine Innovation als funktionierendes Geschäftsmodell bezeichnet werden?

Für uns als Start-up in der Frühphase ist ein Geschäftsmodell nicht bloss Selbstzweck, sondern ein wichtiges Instrument. Es ist der Grundgedanke, gemäss dem unser Unternehmen mit Blick auf die wirtschaftlichen, sozialen oder anderen Auswirkungen Wert schöpft, generiert und liefert. Der Aufbau eines Geschäftsmodells und seine laufende Anpassung an die erzielten Leistungen und unser Umfeld, das sich in einem stetigen Wandel befindet, bieten Innovationschancen und sind Teil unserer sich weiterentwickelnden Geschäftsstrategie. Wir dürfen indes nicht selbstgefällig an einem einzigen Geschäftsmodell festhalten, sondern müssen unsere Strategie immer wieder hinterfragen, um festzulegen, was uns den entscheidenden Schritt voranbringt.

Kann ein Unternehmen gleichzeitig mit mehreren Geschäftsmodellen arbeiten? Wie geht das am besten?

Ich kann verstehen, wenn vorgebracht wird, ein einziges Geschäftsmodell reiche nicht aus. Und ich verstehe auch, warum Start-ups bestrebt sind, sich möglichst an einem einzigen Geschäftsmodell zu halten. Aber ich glaube nicht, dass das Betreiben mehrerer Geschäftsmodelle eine der Hauptursachen für strategisches Scheitern ist. Denn die Notwendigkeit, mehrere Kundensegmente anzusprechen, führt automatisch zur Anwendung eines spezifischen Geschäftsmodells für jedes Segment. Für MeduSoil ist es beispielsweise von existenzieller Notwendigkeit, je nachdem, wo wir tätig sind, zwischen einem Reseller-Vertriebsmodell und einem Direktverkaufsmodell wechseln zu können.

*Medusoil wurde auch vom BRIDGE-Programm unterstützt wurde durch das Horizon 2020 SME Instrument Phase 1 Programm finanziert.

Interview: Johanne Stettler

Letzte Änderung 05.10.2020

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Dr. Dimitrios Terzis, Mitbegründer des EPFL-Start-ups MeduSoil. © Zuzanna Adamczewska-Bolle

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